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„Keiner wird zur Wahrheit gelangen, der nicht zu dem Gedanken fähig ist, der Weg selbst könne der falsche sein.“ *

Haben Sie immer wieder bestimmte Probleme in ähnlichen Bereichen Ihres Lebens? Geben Ihnen die Menschen um Sie herum sehr ähnliche Ratschläge? Könnte man sagen, dass gewisse Sorgen „typisch für Sie sind“?

Wir alle sind mit bestimmten Anlagen zur Welt gekommen und mussten bald Antworten auf immer neue Herausforderungen finden. Je höher der Druck war, unter dem wir diese Lösungen entwickeln mussten und je ähnlicher die Probleme waren, desto schneller und tiefer verankern sich solche Lösungen im Gehirn und werden zu Gewohnheiten und später zu Charaktermerkmalen.

Auf die Frage: „Wer bist du?“ zählen wir dann fast immer Persönlichkeitszüge auf, die wir zeitlebens an uns besonders häufig oder sehr ausgeprägt wahrgenommen haben. Dabei beschreiben wir aber eigentlich nur altgediente Lebenslösungen, die zu heiligen Kühen geworden sind. Wir beschränken uns auf wenige Standards. Das ist gut, solange sie funktionieren. Aber wer nur einen Hammer hat, für den sieht die ganze Welt aus wie ein Nagel. Eine gute Schraube ist aber kein schlechter Nagel! Sie erfordert nur Werkzeug, das in weniger bekannten Ecken unseres „Werkzeugkastens“ liegt und mit dem wir bislang selten gearbeitet haben.

Doch bevor wir uns mit einem Schraubendreher blamieren, hämmern wir den „schlechten Nagel“ einfach mit gesteigertem Kraftaufwand und unterdrücktem Fluchen irgendwie in die Wand.

Wenn Sie den Verdacht haben, dass dieses „immer mehr vom Gleichen“ nicht besonders sinnvoll ist, dann können Sie auch verstehen, warum es heißt, dass die Probleme von heute die Lösungen von damals sind. Statt Nägel haben wir jetzt Schrauben vor uns, aber wir hämmern weiter.

Wer z. B. früh lernen musste sich durchzusetzen, der tut sich als Erwachsener vermutlich nicht so leicht damit, sich sensibel und liebevoll zu zeigen. Wer alles mit kindlichem Charme erobern konnte, hat später eher Schwierigkeiten mit Disziplin oder Kritik an seiner Person.

Im Rahmen meines Studiums habe ich eine mehrjährige Forschungsarbeit mit über 200 Versuchspersonen zum Thema Persönlichkeitstypen durchgeführt. Darauf basiert auch meine heutige Arbeit mit Charakterzügen, die Prozesse oft auf eine viel produktivere Ebene führen und scheinbar „rätselhafte Blockaden“ erklären kann. Unsere problematisch gewordenen Lösungen sind nämlich im Prinzip oft sehr einfach, aber für uns selber nur sehr schwer zu erkennen, da uns der Abstand zu unserer eigenen Person fehlt.

Das Wort „Person“ kann unterschiedlich hergeleitet werden, aber die Bedeutung hat letztlich immer zu tun mit Begriffen wie „Maske“, „Verkleiden“, „das, wo etwas hindurchtönt“. Aber die Maske ist nicht das Gesicht, der Ton ist nicht der Ort, von dem er kommt und der Kaiser ist sogar unter echten Kleidern nackt!

Nur braucht es eine offene, scheinbar „kindliche Haltung“, um bestimmte Fragen zu stellen und neugierig nach anderen Lösungen in uns selbst zu suchen. Wer dazu bereit ist, dem eröffnen sich oft ganz neue Sichtweisen auf bekannte Probleme, denn in gewissem Sinne sind in Problemen auch immer Lösungen enthalten.

*(Idries Shah – Denker des Ostens)

>>Fallbeispiel<<